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Brief: Arusha, November 2010

Kinder-Schulweg

Liebe Mitbrüder, Verwandte und Freunde!
Ja, es gibt uns noch! Die meisten von uns sind noch am Leben, nur wenige mussten ihr Leben lassen im Vorfeld der Neuwahlen hier in Tanzania. Es verlief alles viel friedlicher als befürchtet wurde. Viele aber konnten nicht wählen, da ihr Name auf den Listen nicht aufgeschrieben war. Hier in Arusha kam es zu lauten Straßenprotesten, als die Regierungspartei nicht zugeben wollte, dass sie zumindest hier geschlagen war. Alles in allem aber wurde der ehemalige Präsident wiedergewählt und so wird sich wohl auch in den nächsten 5 Jahren nicht viel ändern: Die Armut wird weiter zunehmen trotz erhöhter Ausfuhr von Gold, Edelsteinen, Erdgas, trotz erhöhter Zahl von Touristen, trotz vermehrter finanzieller Hilfen vom Ausland, usw. Bestechung, Diebstahl und Lügen nehmen weiterhin zu sowohl in Politik als auch im Privaten. Selbst Verwandten und Freunden kann man hier nicht mehr trauen. Jeder sucht nur noch seinen Vorteil.
Das ist auch der Grund, weshalb wir bis heute noch nicht die Besitzurkunde für unser Grundstück bekommen haben und somit noch immer nicht mit dem Bau beginnen konnten. Die Regierung will dafür hohe Bestechungsgelder haben, die wir nicht bereit sind zu zahlen. Wir schalteten den Sicherheitsdienst ein und wissen somit ganz genau welcher Beamte das schwarze Schaf ist. Als wir ihn vor Gericht bringen wollten, das nächste Problem: Unser Rechtsanwalt wollte das Gleiche: Bestechungsgelder in Millionenhöhe (mehrere tausend Euro). Im Moment suchen wir also noch einen passenden Rechtsanwalt. Aber keine Angst: Eure Spenden sind noch alla da – in Form von Euros – sicher auf einer amerikanischen Bank hier in Arusha, und warten nur auf den Tag X.
Gott sei Dank besteht unsere Arbeit nicht nur aus dem Bau. Das wäre frustrierend! Nein, unsere Computerschule und unser Kindergarten laufen weiterhin bestens und auch unsere medizinische Betreuung der vielen Waisenkinder hier in Monduli. Die Kinder spüren und wissen Gott sei Dank nichts von all unseren Problemen, für sie geht alles „normal” weiter. Sie haben dafür genug von ihren eigenen Problemen zu Hause.
Das konnte auch unser langjähriger Wohltäter aus den USA selber feststellen. Er kam im Juli für 2 Wochen nach Monduli und war von der Armut der Menschen sehr ergriffen. Selbst in Indien sei es nicht so schlimm, meinte er. Er besichtigte unser Projekt, ging zu den Familien und Krankenhäusern und segnete unsere Waisenkinder, wie auf dem einen Foto zu sehen ist. Er möchte auf jeden Fall wiederkommen sagte er und den Kindern gerne noch mehr helfen. Bernie’s Besuch war zweifellos der Höhepunkt für unser N.G.O. in diesem Jahr.
Zwei weitere kleine Höhepunkte waren für uns als Mwantumu ihr Abitur machte und als Doto ihre Ausbildung als Radio- und Fernsehansagerin erfolgreich abschloss und auf dem Foto während ihres Praktikums bei einem kirchlichen Radiosender in Daressalaam zu sehen ist. Einige von Euch haben beide hier in Arusha kennen gelernt und werden sich mitfreuen können. Ja, die Jahre vergehen und aus Kindern werden erwachsene Leute. Doto kenne ich z. B. schon als sie in die 2. Klasse der Volksschule ging. Auch ihre Zwillingsschwester Kurwa ist mit ihrer Ausbildung als Sekretärin fertig und sucht jetzt eine Arbeit.
Vor allem diese drei – Mwantumu, Doto und Kurwa – möchten Euch Allen ganz, ganz herzlich für Eure Hilfen danken, ohne die sie nie so weit gekommen wären in ihrem Leben. Für sie beginnt das Leben jetzt erst, während es für andere schon am Ende ist, bevor es überhaupt anfing. Aber auch im Namen aller unserer Waisenkinder möchte ich jedem Einzelnen von Euch für all seine Hilfen danken. Nicht nur für die Spenden, nein, auch, oder gerade für Eure Briefe, e-Mails, Besuche und Gebete.
Manchmal möchte ich verzweifeln und frage mich, wo Gott in all dieser Betrügerei, Stehlerei, Lügerei usw. ist, Warum Er es zulässt, wozu all das führen soll und finde keine Antworten. Überall werden einem Steine in den Weg geworfen, werden Leben, selbst das von Kindern zerstört (ja, hier werden noch immer Kinder abgeschlachtet und Körperteile zum Zauberer gebracht, der Reichtum versprochen hat). Die Gier nach schnellem Geld nimmt zu, nicht nur bei den Armen. Durch Eure vielseitigen Hilfen und Ermutigungen aber bekomme ich ein ganzes Stück weit Antworten auf meine vielen Fragen und jede Menge neuen Mut und weiß, dass Gott doch noch da ist in all dem Schlamassel und dass Er sich vielleicht doch auch Gedanken macht über all das. Und vielleicht sogar etwas damit beabsichtogt mit all diesem Negativen, es zu etwas Sinnvollem macht. Nun, warten wir’s ab.
Einige von Euch fragten mich bezüglich Spendenquittungen: Wenn Ihre Eure komplette Adresse angebt bekommt Ihr automatisch eine Spendenquittung. Die Konto-Nummern findet Ihr auf dieser Internetseite. Bei Fragen meldet Euch bitte: Norbert Knecht
Auch meine e-Mail Adresse noch mal: BrPeterHoetter@vodamail.co.tz
Es gäbe noch sehr vieles zu sagen, aber das kann ich ja noch in persönlichen Briefen oder e-Mails tun. Für dieses Jahr bleibt mir nur noch Euch ein besinnliches und gesegnetes Weihnachtsfest zu wünschen und für das nächste Jahr alles, alles Gute und Gottes reichen Segen.

Eure Peter